Mit Deutsch über die Schwelle

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Dienstag, Oktober 25, 2016 - 08:45

Finnen in Schlüsselpositionen über Vorteile von Deutschkenntnissen

Nicht viele 18-jährige finnische Schüler würden ohne Weiteres eine freie Rede vor Diplomaten und Spitzenpolitikern halten wollen. Janne Wilpola aus Turku hat das mit Eleganz gemacht, und zwar um einen Schwierigkeitsgrad höher als normal: in deutscher Sprache. Jannes humorvoll verpackte Erzählung über sein Deutschlernen und seine Teilnahme an der Internationalen Deutscholympiade hat das Publikum des Seminars ”Türöffner Deutsch” davon überzeugt, dass junge Menschen in Finnland nach wie vor Deutsch lernen wollen und dazu auch sehr gute Voraussetzungen haben.

Die Diskussionsbeiträge im Seminar ”Türöffner Deutsch” haben sich der Rolle von Deutschkenntnissen im Alltag von Finnen aus mehreren Blickwinkeln angenähert.

Berichte aus dem Arbeitsalltag der Gastredner haben frische Einsichten zu den Vorteilen geliefert, die man durch Deutschkenntnisse erlangt. In die Tiefe gehende Beziehungen, effektives Vernetzen und die Fähigkeit, gründliche Recherche zu betreiben wurden von der Parlamentsabgeordneten Tytti Tuppurainen und dem Leiter der internationalen Beziehungen der Stadt Turku, Mika Akkanen, an konkreten Beispielen illustriert.

Ansu Saarela, Chief financial officer bei Bauhaus Finnland und Estland, hat ebenfalls ein Detail hervorgehoben, das ein altes Klischee klug widerlegt. Das Sprichwort besagt, dass man alles auf Englisch kaufen kann, nur verkaufen ließe es sich ausschließlich in der Landessprache. Saarela hat diese bekannte Idee umgedreht, denn in der Wirtschaft spielt ebenfalls die Fähigkeit, zu günstigen Preisen einzukaufen, eine entscheidende Rolle. Für den taktisch geschickten Einkauf der Ware sind gute Kenntnisse in der Landessprache dann doch notwendig!

Das Publikum, das aus Studenten und Vertretern der zentralen Organisationen mit Anknüpfung zu Deutsch und Deutschland in Finnland bestand, wurde von der Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland, Frau Dorothee Janetzke-Wenzel, sympathisierend als Deutsch-Aficionados angesprochen. Sie alle waren mit dem Ertrag des Seminars zufrieden, denn die zwei Funktionsfelder des Deutschen wurden eingehend und sehr lebendig dargestellt: die Beziehungen in Kultur und Wirtschaft sowie der persönliche Gewinn.

Moderator Schatz beschrieb den letzteren Bereich, die Mehrsprachigkeit, als einen intellektuellen Zustand, bei dem mehrere Betriebssysteme im Kopf zur gleichen Zeit funktionieren. Dieses Gleichnis aus der Computertechnik wurde schmunzelnd angenommen, und es wird sicherlich seinen Weg in die Kreise der Befürworter der Mehrsprachigkeit in Finnland finden.

Verfasserin:

Dr. Mia Raitaniemi
Leiterin des Fachs und Universitätslektorin
Deutsche Sprache
Universität Turku
Finnland

E-Mail: mia.raitaniemi@utu.fi
Anschrift: Deutsche Sprache, Henrikinkatu 4a, FIN-20014 Universität Turku
https://www.utu.fi/fi/yksikot/hum/yksikot/saksankieli/de/Sivut/home.aspx