Finnlands Selbständigkeit, das deutsche Finnland 1918 und die EU – die Themen beim Kulturellen Abendessen 2017

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Dienstag, September 12, 2017 - 22:30

Die Wahl für das Thema des diesjährigen traditionellen Kulturellen Abendessens der Aue-Stiftung, dass am 17.8.2017 im Hotel „Torni“ stattfand, fiel in diesem Jahr nicht schwer: „100 Jahre Selbständigkeit Finnlands“. Die Geschichte Finnlands ist ein Teil der europäischen Geschichte, vor allem mit Bezug auf die historischen Entwicklungen in Schweden, Deutschland und Russland. Die Grundsatzreden des Abends fokussierten auf den kurzen, aber wichtigen Zeitraum um die Unabhängigkeitserklärung, als Finnland deutsch war. Dazu referierten Dr. Marjaliisa Hentilä und Prof. Dr. emeritus Seppo Hentilä, als sie ihr neues Buch „Saksalainen Suomi 1918“ (Das deutsche Finnland 1918) präsentierten. Das Buch wird 2018 auch auf Deutsch erscheinen (siehe auch Seppo Hentiläs Beitrag zum Thema im AUE-FORUM).

Die Präsentationen inspirierten eine lebhafte Diskussion über die deutsch-finnischen Beziehungen, die aktuelle Situation in Europa, und in der ganzen Welt. Diese Diskussion wurde auch durch die Eröffnungsansprache der Vorstandsvorsitzenden der Aue-Stiftung, Dr. Sinikka Salo, bereichert. Sie ermutigte dazu, sich – trotz Brexit, trotz aller sicherheitspolitisch beunruhigenden Entwicklungen – optimistisch auf das Positive zu konzentrieren, und erinnerte daran, dass die europäische Integration das erfolgreichste Projekt der modernen Zeit ist, und dass dieses Projekt des Friedens und der Wohlfahrt natürlich weiterhin grundsätzlich gut und wichtig ist. Zudem steigt die Popularität der EU und des Euros bei den europäischen Bürgern und Bürgerinnen wieder, wie die jüngsten Umfragen der Kommission zeigen. 

Vielleicht ist es auch so – so Dr. Salo – dass letztendlich die EU-Bürger und -Bürgerinnen besser als die regierenden Politiker verstehen, dass eine gute, nachhaltige Zukunft in Europa nur zusammen zu erreichen ist. Nationalisten und Populisten sind laut. Deswegen brauchen wir eine viel „lautere“ Argumentation für die EU, insbesondere von den Politikern.

Es wurde auch darüber gesprochen, dass es äußerst wahrscheinlich ist, dass sich die politische Diskussion – angeführt von Deutschland und Frankreich – über die Richtlinien der EU und des Euros nach der Bundestagswahl in Deutschland intensivieren wird. Eine solche Diskussion braucht man laut Dr. Salo auch vor allem in Finnland, wo sich z.B. die Medien auf vergangene Tendenzen zu fokussieren scheinen, und die verantwortlichen Politikern schweigen: „Ich wage zu sagen, dass für das Publikum, für die Wählerschaft, die EU-Linie Finnlands heute unklar ist.“ Dr. Salo stellte auch die Frage, was die Aue-Stiftung zur Aktivierung eines finnischen Bürgergesprächs über Europa beitragen könnte. Ihr Vorschlag war, dass sich die Stiftung im nächsten Jahr zum Ziel nehmen könnte, in Finnland in Sonderprojekten die Verbreitung der Kenntnisse über aktuelle politische und kulturelle Diskussionen im deutschsprachigen Raum zu intensivieren. Zum Beispiel könnte die Stiftung prominente Rednerinnen und Redner aus Deutschland und Österreich einladen, um Themen wie die EU-Politik, Flüchtlingspolitik, Forschungs- und Innovationspolitik, Energie- und Klimapolitik usw. ihrer Länder in kleineren gezielten Seminaren zu beleuchten – etwa so wie beim diesjährigen Sonderprojekt „Finnland 100 Jahre – vivace, crescendo!“, welches das Ziel hat, Kenntnisse über Finnland im deutschsprachigen Europa zu verbreiten (siehe Startseite).

Die Fähigkeit zur Erneuerung ist der Schlüssel, um „das Wunder von Europa“ nachhaltig zu reaktivieren. Dabei gibt es viele interessante Herausforderungen für alle Ebenen der Gesellschaft – auch für kleinere Akteure wie die Aue-Stiftung. „Dank dem außergewöhnlichen, gemeinsamen Geist des Aue-Kreises – und auch durch das Vertrauen unserer Sponsoren – habe ich großes Vertrauen auch in kleine Projekte und Initiativen“, fasste Dr. Salo ihren Vortrag zusammen.

Überraschungsgast des Abends war Prof. Dr. Jürgen Kluge, Honorarkonsul von Finnland aus Düsseldorf, der beim Projekt „Germany and Finland – Strong Partnership in Industrial Internet Revolution“ der Aue-Stiftung ein wichtiger Partner war. Bei diesem Projekt hatten sich Deutsche und Finnen aus Forschung und Business in Berlin versammelt, um Möglichkeiten zu erörtern, wie die beiden „Tüftler-Völker“ voneinander profitieren können. Aus Sicht der Aue-Stiftung war dieses Projekt – die Idee dazu stammt im Übrigen vom Kulturellen Abendessen im Jahre 2014, als Dr. Kluge als frisch nominierter Honorarkonsul zu Gast war – sehr zufriedenstellend: das Ziel, den Anstoß für ein deutsch-finnisches Netzwerk (später hoffentlich EU-weit) in diesem Bereich zu geben, wurde erreicht. Es war schön und ermutigend zu hören, dass auch Dr. Kluge mit seinen vielen Kontakten mit Finnen und Finnland – auch mit der Kooperation mit der Aue-Stiftung – zufrieden war.

Das Kulturelle Abendessen war also wieder erfolgreich – mit vielen interessanten Themen, in guter Gesellschaft, im traditionsreichen „Torni“ über den Dächern Helsinkis in einer schönen lauen Sommernacht.