Ein Treffen mit Aue-Stipendiatin Antje Pehle – Meisterin der Linie

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Samstag, Mai 28, 2016 - 11:45

Antje Pehle wurde 1979 in Berlin geboren. Sie wohnte in einer ländlichen Ecke in Mahlsdorf, das zu Hellersdorf, einem Neubaugebiet in Berlin gehörte. Nach dem Abitur ging sie für drei Jahre an die Kunsthochschule in Halle und hatte schon damals ein starkes Interesse für das Zeichnen. Sie war dann ein Jahr lang als Erasmusaustauschstudentin an der Universität von Leeds, England. Sie wollte nun den künsterlichen Focus ihrer Arbeit auf das Zeichnen setzen und setzte diesbezügliche Studien an der Kunsthochschule in Berlin Weißensee fort, bis sie 2006 das Diplom in Freier Kunst und Malerei erhielt. Seit 2007 ist sie freischaffende Künstlerin.

Heute kann Antje Pehle feststellen, dass sie teilweise in Berlin und teilweise in Finnland lebt. Wie ist das Interesse und der Kontakt zu Finnland entstanden, frage ich sie in Mänttä, wo sie seit April 2016 in der Künstlerresidenz von Serlachius für ein halbes Jahr wohnt und arbeitet. Für diese Zeit hat sie ein Arbeitsstipendium von der Aue-Stiftung bekommen. Sie erzählt, dass ihr erster Eindruck von Finnland aus dem Jahr 2003 stammt, als sie vom Schiff aus die Silhouette Helsinkis bewunderte. Helsinki war damals Endstation ihrer fünfwöchigen Segelreise durch das Eismeer und Russland. Für die Reise hatte sie von einer Freundin – wie zukunftsweisend – ein Kalevala als Reiselektüre bekommen. Die Reise ging damals mit dem Zug nach Rovaniemi und mit dem Bus weiter nach Norwegen. Aber seitdem kam sie regelmäßig nach Finnland – um das Land kennenzulernen und finnische Freunde in Helsinki zu besuchen, die sie 2006 in Berlin kennengelernt hat und sie gleich im November 2006 erstmalig in Helsinki besuchte.

Langsam reifte bei ihr der Gedanke, dass sie in Finnland auch künstlerisch tätig sein möchte. Ihr erster Arbeitsaufenthalt in Finnland war im Winter 2009 für zwei Monate in der Nelimarkka-Museumsresidenz in Alajärvi. Sie fand auch den Winter und die weite Perspektive fazinierend – und die Ruhe zum Nachdenken und Arbeiten. Das Licht zwischen den Schatten und der Dunkelheit imponierte ihr. Auch im nächsten Jahr arbeitete sie in Alajärvi und durch ihre Kontakte dort wurden ihr andere Residenzen empfohlen. Sie hat auch im Museumsdorf Stundas in Sulva bei Vaasa und in Kokkola ein paar Monate gezeichnet. Durch ihre Aufenthalte in Finnland hat sie finnische Künstler kennengelernt – und bei einer Künstlerin, bei Elina Försti in Alajärvi, hat Antje ein halbes Jahr auf zwei Kinder, Urho und Eeli, aufgepasst. Durch diese Kinderpflege wurde sie der finnischen Sprache mächtig – und sie hat die Sprache dann auch weiter studiert. Sie beherrscht die Sprache heute wunderbar.

Antje Pehle lebt seit 2012 wenigstens die Hälfte des Jahres in Finnland, wo sie konzentriert arbeiten kann. Sie liebt die Unterschiedlichkeiten der finnischen Jahreszeiten. Den schneebedeckten Winter findet sie einfach herrlich, obwohl es im Winter schwieriger ist zu arbeiten, da sie nur bei Tageslicht zeichnen kann. Sie kam nach Aufenthalten in Kokkola, Mänttä und der Koli-Residenz dieses Jahr wieder nach Mänttä, wo sie jetzt gerade das lange Tageslicht bei ihrer Arbeit nutzt. In Mänttä hatte sie zuerst die alten Häuser gezeichnet, jetzt sind die neueren Häuser in Arbeit. Sie zeichnet mit dem Stift viele Schichten auf das Papier, so dass fast der Eindruck eines Stoffes oder einer gewobenen Landschaft entsteht. Bis Ende Mai ist ihre Einzelausstellung in Honkahovi in Mänttä zu sehen. Ihre Werke sind beruhigend und die Farbenwelt ist herbstlich, aber nicht grell, sondern wie durch den Morgentau betrachtet.

Antje Pehle hat während ihrer Aufenthalte in Finnland kontinuierlich finnische Landschaften gezeichnet. Ihre Werke haben in mehreren Orten in Finnland ein Zuhause gefunden. Ihre Werke befinden sich in den Sammlungen vom Nelimarkka-Museum in Alajärvi, bei KulturÖsterbotten in Vaasa und in der Gösta Serlachius Fine Arts Foundation in Mänttä. Sie bereitet sich jetzt auf eine Ausstellung zum hundertjährigen Jubiläum Finnlands vor und bearbeitet alte Tapetenmuster in ihren Werken. Die neue Ausstellung findet nächstes Jahr in Tampere statt. Mehr Informationen zur Künstlerin Antje Pehle finden sich auf ihrer Website www.antjepehle.de .

Autorin: Marjaliisa Hentilä, Mitglied des Vorstands der Aue-Stiftung, hat Antje Pehle am 22.5.2016 in Mänttä besucht und interviewt.